serverspec standalone betreiben

Nachdem wir im letzten Post allgemein vorgestellt haben, was man mit serverspec machen kann, wollen wir die ersten Beispiele in eine ausführbare Form bringen, sodass man damit weiter experimentieren kann.

Voraussetzungen

Um den Post nicht zu groß aufzubauen und nicht zu viele Abhängigkeiten einzuführen, benötigen wir nur eine Serverinstanz, auf der wir lokal testen. Das kann eine VM oder auch das eigene Notebook sein. Auch wenn serverspec mit vielen Betriebssystemen umgehen kann, sind Debian- oder Redhat-Distros zum Spielen am einfachsten. Die Beispiele gehen von CentOS-6.5 mit englischem Locale aus.

Es läuft einfacher, wenn die Instanz auf Repos im Internet zugreifen kann, es geht aber auch offline bzw. mit lokalen Mirrors. Das ist durchaus hilfreich in Umgebungen, in denen nicht jeder Server Zugriff nach außen hat und auch (noch) keine lokalen Mirros aufgesetzt sind.

Eine weitere Voraussetzung ist eine lauffähige Ruby- und rubygems-Installation ab Version 1.8.7. Diese wird in der Regel von den Linux-Distributionen in den eigenen Paketrepositories mitgeliefert. Also:

$ sudo yum install -y ruby rubygems

oder bei Debian

$ sudo apt-get install ruby1.9.3 rubygems

Installation von serverspec

Online

Natürlich ist die online-Installation am einfachsten. serverspec liegt als gem-Paket bei rubygems.org vor, und darüber werden abhängige Pakete erkannt und mit installiert.

$ sudo gem install serverspec rake --no-ri --no-rdoc
Successfully installed net-ssh-2.9.0
Successfully installed rspec-core-2.14.8
Successfully installed diff-lcs-1.2.5
Successfully installed rspec-expectations-2.14.5
Successfully installed rspec-mocks-2.14.6
Successfully installed rspec-2.14.1
Successfully installed highline-1.6.21
Successfully installed specinfra-1.11.0
Successfully installed serverspec-1.6.0
Successfully installed rake-10.3.1
10 gems installed

Was machen die Pakete:

  • diff-lcs findet Unterschiede bspw. in Arrays
  • net-ssh ist eine Ruby-Library zum SSH-Connect zu anderen Hosts
  • rspec-* sind alle Pakete für RSpec (www.rspec.info)
  • highline für etwas Farbe im Kommandozeilenleben
  • specinfra ist das Serverspec-Backend mit einer Abstraktion für verschiedene Betriebssysteme mit deren Kommandos.
  • serverspec das eigentliche Serverspec-Frontend, das wir benutzen wollen.

Offline

Die Offlineinstallation ist auch kein Problem, dazu ziehen wir uns die notwendigen Pakete von rubygems und kopieren sie auf die Serverinstanz. Wer mag, setzt sich eine eigenen rubygems-Mirrorserver auf.

$ for i in diff-lcs-1.2.5 net-ssh-2.9.0 highline-1.6.21 bundler-1.6.2 rake-10.3.1 rspec-core-2.14.8 rspec-expectations-2.14.5 rspec-mocks-2.14.6 rspec-2.14.1 specinfra-1.11.0 serverspec-1.6.0; do
  wget http://rubygems.org/downloads/${i}.gem
done;

Dann lokal installieren:

$ sudo gem install --local --no-ri --no-rdoc rake-10.3.1.gem bundler-1.6.2.gem diff-lcs-1.2.5.gem rspec-core-2.14.8.gem rspec-expectations-2.14.5.gem rspec-mocks-2.14.6.gem rspec-2.14.1.gem net-ssh-2.9.0.gem highline-1.6.21.gem specinfra-1.11.0.gem serverspec-1.6.0.gem
Successfully installed rake-10.3.1
Successfully installed bundler-1.6.2
Successfully installed diff-lcs-1.2.5
Successfully installed rspec-core-2.14.8
Successfully installed rspec-expectations-2.14.5
Successfully installed rspec-mocks-2.14.6
Successfully installed rspec-2.14.1
Successfully installed net-ssh-2.9.0
Successfully installed highline-1.6.21
Successfully installed specinfra-1.11.0
Successfully installed serverspec-1.6.0
11 gems installed

Init!

Um mit den eigenen Specs loszulegen, bringt serverspec ein Skript serverspec-init mit, um eine Art Vorlage zu generieren, die erstmal lauffähig ist. Das rufen wir in einem leeren Verzeichnis auf, und beantworten einige Fragen:

$ mkdir myspecs
$ cd myspecs
$ serverspec-init

Hier müssen wir entscheiden, wo die zu testende Instanz liegt. Entweder greift serverspec per ssh darauf zu, oder man testet die eigene Instanz (local). Das wollen wir in unserem Fall auch tun, für Unix:

$ serverspec-init
Select OS type:

  1) UN*X
  2) Windows

Select number: 1

Select a backend type:

  1) SSH
  2) Exec (local)

Select number: 2

Die leere Vorlage

Serverspec hat das folgende für uns erzeugt:

 + spec/
 + spec/localhost/
 + spec/localhost/httpd_spec.rb
 + spec/spec_helper.rb
 + Rakefile

Wofür braucht man was?

*_spec.rb

Das sind die eigentlichen Spezifikationsfiles, wo die Tests lagern. Bei der Zusammenstellung ist man frei: Ein _spec.rb für hunderte Tests (nicht sinnvoll) oder für jeden Tests ein eigenes _spec.rb (auch nicht sinnvoll). In den nächsten Posts werden wir hierfür eine sinnvolle Struktur aufzubauen.

Rakefile

Rake ist quasi das “make” für ruby. Es automatisiert Vorgänge und dient uns hier als “Glue”, um die rspec-basierten Tests anzustarten. Man könnte auch rspec direkt ausführen, allerdings biegt das für uns generierte Rakefile einige Dinge für die Ausführung richtig. In der Standardversion werden einfach alle Dateien im spec/ Unterverzeichnis (und den darunter liegenden Verzeichnissen) aufgegriffen, die auf _spec.rb enden.

spec_helper.rb

Der Spec-Helper wird von den Testcases verwendet (“require”) und schafft einige Voraussetzungen. Interessant sind z.B. das Erkennen von Betriebssystemen (include .... DetectOS) sowie (falls noch notwendig) das abfragen eines Passworts für sudo.

http_spec.rb

Die leere Vorlage ist gar nicht so leer, sie enthält nämlich ein Beispiel für einen funktionierenden Webserver, die wir einfach verwenden werden. Geprüft wird:

  • dass ein OS-Paket installiert wurde (hier: httpd, passt auf RHEL),
  • dass der Service automatisch gestartet wird und aktuell läuft,
  • dass ein Port geöffnet ist und
  • dass eine Konfigurationsdatei mit bestimmten Inhalte vorliegt.

Das sieht dann so aus:

require 'spec_helper'

describe package('httpd') do
  it { should be_installed }
end

describe service('httpd') do
  it { should be_enabled  }
  it { should be_running  }
end

describe port(80) do
  it { should be_listening }
end

describe file('/etc/httpd/conf/httpd.conf') do
  it { should be_file }
  it { should contain "ServerName localhost" }
end

Die Syntax ist sehr einfach und fast natürlichsprachlich. Es besteht aus mehreren Blöcken, die bestimmte Aspekte (package, service, port, file) beschreiben. In den Blöcken liegen dann Match-Ausdrücke, die bestimmte Konditionen abprüfen

Erster Testrun

Wir lassen “die spec” einfach mal laufen und schauen, was passiert:

$ sudo rake spec
Failures:

  1) Package "httpd" should be installed
     Failure/Error: it { should be_installed }
       rpm -q httpd
       package httpd is not installed
       expected Package "httpd" to be installed
     # ./spec/localhost/httpd_spec.rb:4

  2) Service "httpd" should be enabled
  ....

  ....

Finished in 0.05863 seconds
6 examples, 6 failures

Failed examples:

rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:4 # Package "httpd" should be installed
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:8 # Service "httpd" should be enabled
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:9 # Service "httpd" should be running
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:13 # Port "80" should be listening
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:17 # File "/etc/httpd/conf/httpd.conf" should be file
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:18 # File "/etc/httpd/conf/httpd.conf" content should match /ServerName localhost/
/usr/bin/ruby -S rspec spec/localhost/httpd_spec.rb failed

Wir sehen, dass eigentlich alles fehlschlägt. Klar, denn noch haben wir nichts installiert bzw. provisioniert.

Red, Green, Refactor

Gemäß dem Testdriven-Zyklus sind wir jetzt im “Red” angelangt. Wir haben einen Testcase, der einen Zielzustand beschreibt. Unsere Infrastruktur- Tests schlagen fehl, also machen wir uns daran, diese grün zu bekommen.

Disclaimer: Natürlich wählt man hierzu am besten ein Provisionierungswerkzeug, also Salt, Chef, Puppet, … Um den Post einfach zu halten werden wir hier manuell installieren, das Umformen (z.B. ein Provisioner für Vagrant) bleibt dann für den “Refactor”-Schritt :-)

Das erste ist die Installation des Pakets.

$ sudo yum install -y httpd

Wir lassen die spec noch einmal laufen und sehen:

$ sudo rake spec
...
...
Finished in 0.0678 seconds
6 examples, 4 failures

Failed examples:

rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:8 # Service "httpd" should be enabled
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:9 # Service "httpd" should be running
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:13 # Port "80" should be listening
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:18 # File "/etc/httpd/conf/httpd.conf" content should match /ServerName localhost/
/usr/bin/ruby -S rspec spec/localhost/httpd_spec.rb failed

Oben hatten wir noch 6 Failures, jetzt nur noch 4. Es wird. Als nächstes sollte httpd.conf konfiguriert werden. Wir fügen dort localhost ein:

$ sudo vi /etc/httpd/conf/httpd.conf
....
ServerName localhost:80
...

Ein erneuter Test:

$ sudo rake spec
6 examples, 3 failures

Failed examples:

rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:8 # Service "httpd" should be enabled
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:9 # Service "httpd" should be running
rspec ./spec/localhost/httpd_spec.rb:13 # Port "80" should be listening

Nur noch 3 Failures. Als nächstes sollte der Service laufen und automatisch gestartet sein:

$ sudo chkconfig --add httpd
$ sudo chkconfig --level 345 httpd on
$ sudo service httpd start

Und so ist das Endresultat:

$ sudo rake spec
/usr/bin/ruby -S rspec spec/localhost/httpd_spec.rb
......

Finished in 0.05298 seconds
6 examples, 0 failures

Damit sind wir “green”.

What’s next?

Jetzt können wir unsere Tests spezifizieren und auf einem konkreten Server ausführen. Mit dieser Basis können wir spielen und neue Tests einbauen. Eine gute Übersicht dessen was möglich ist, gibt die Seite Resource Types

In einer etwas realistischeren Arbeitsumgebung wird es aber viele Server geben, die sich in Gruppen einteilen lassen (Webserver, Applikationsserver, …). Und vermutlich haben wir mehrere Umgebungen (Test, Live, …), die sich in Teilen unterscheiden.

All das lässt sich auch mit serverspec abdecken, die nächsten Posts zeigen, wie :-)

– Andreas

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